Mittwoch, 16. Oktober 2013

Trip to Monkey City



Hallo zusammen,

heute komme ich endlich dazu, euch von unserem Ausflug in die Höhe zu erzählen. Sonntag und Montag haben wir uns nämlich in die Ausläufer des Himalayas gewagt und sind nach Shimla gereist. Schon die Busfahrt an sich war ein Erlebnis, denn der Fahrer hatte einen sehr eigenwilligen Fahrstil und hielt nichts von zeitgerechtem Bremsen. Die Folge davon war, dass man bei der dadurch ausgelösten Vollbremsung für kurze Zeit die Schwerelosigkeit erleben durfte weil man zentimeterhoch aus dem Sitz gehoben wurde.
Für die unruhige Nacht wurden wir aber mit einem tollen Sonnenaufgang in den Bergen belohnt. Außerdem gab’s lecker Nutellabrot im Zentrum Shimlas, bevor wir unsere Zimmer im YMCA inspizierten. Zerbrochene Fensterscheiben und Gemeinschaftsbad hin oder her - wir hatten immerhin eine rote Lampe überm Bett ;o) außerdem noch dunkelroten Teppichboden und dunkelrote Decken - passend zum Außenanstrich des Gebäudes.
Der Tag startete dann so richtig für mich im Indian Coffee House, wo mich ein Kellner im Prinzenkostüm mit zwei Tassen Kaffee zwar unwillig aber doch vor dem endgültigen Einschlafen bewahrte. Anne und Jan stießen nach dem Besuch der Messe in der Christ Church zu mir und bekamen ebenfalls ihren Koffeinschub.
So gestärkt machten wir uns auf den Weg und nahmen uns für den ersten Tag den „Heritage Walk No 1“ vor, der uns zu verschiedenen alten Gebäuden in Shimla führen sollte. Während wir so das dritte oder vierte Gebäude bewunderten, fiel mir auf der anderen Straßenseite ein wunderschöner, gepflegter Garten auf und weil das (mannshohe) Gartentor etwas offenstand, konnte man reinsehen, wenn man den Hals lang genug machte. Weil wir irgendwann zu dritt so dastanden, fiel das dem netten Herrn in dem Garten auf und er fragte uns, ob wir den Garten gern anschauen möchten. Aber klar, also rein! Drinnen erklärte er uns, dass das der Garten seines Chefs sei, und der tauchte auch gleich mitsamt seiner Frau auf und lud uns zu Tee und Keksen ein. Auch die Töchter des Hauses kamen nach Besichtigung desselben heraus und die Familie gab Anne und Jan noch viele Tipps zu ihrer geplanten Reise durch den Norden.
Am Ende des Heritage Walks befand sich die Viceregal’s Lodge - unser Harry-Potter-Schloss ;o) wir haben die kurze Führung durch das Erdgeschoss mitgemacht - ich hab kein Wort verstanden - und mal wieder gelernt, dass Regeln in Indien wohl mehr so Richtlinien sind. „Do not use the furniture“ heißt also - du kannst die alten, wertvollen Stühle ruhig zum Ausruhen verwenden, wenn dir die Füße wehtun.
Soweit zum guten Teil des Tages, denn dann kam…. DAS ESSEN. Der Empfehlung des Lonely Planet folgend machten wir es uns im Café Sol gemütlich und freuten uns auf ein mexikanisches Essen und zum Abschluss des Tages auf „die beste Kuchenauswahl in ganz Shimla“.
Nun. Was soll ich sagen. Die Nachos, die ich zur Vorspeise hatte, waren okay. Nicht okay war die Guacamole - wie sehr kann man eine Avocado vergewaltigen??????? Meine Cottage Cheese Fajitas waren sehr - indisch. Außer scharf genau gar nichts. Und dann kam der Kuchen. Das war der Punkt, an dem sich die tiefe Verzweiflung in Lachen äußerte. Zu dem Kuchen fällt mir außer künstlich und pappsüß eigentlich gar nichts mehr ein. Aber daran waren wir ja selber schuld, denn bei der Analyse der Lonely-Planet-Empfehlung fiel uns die Formulierung „beste Kuchenauswahl in ganz Shimla“ und ganz speziell das Wort „Kuchenauswahl“ auf. Das heißt ja nun nicht, dass der Kuchen an sich gut ist. Wieder was gelernt.
Am Montagmorgen hat uns die Gruppe am Nachbarfrühstückstisch eingeladen, mit zum Jakhoo Tempel zu wandern. Weil wir das ohnehin vorhatten und es in der Gruppe sicherer ist (wegen der vielen Affen), schlossen wir uns gern an. Jan bekam den Stock, damit er uns beschützen kann und so zogen wir los. Am Fuß des Hügels erklärte uns ein Schild, dass wir, wenn wir innerhalb von 30 Minuten den steilen Weg bewältigen, „sehr fit“ seien, 30 bis 45 Minuten bedeutet „mäßige Fitness“ und alles darüber ist gaaaaanz schlecht (wir haben 35 Minuten inklusive Pause gebraucht ;o).
Oben erwartete uns ein mäßig eindrucksvoller Tempel mit einer weitaus spektakuläreren Statue des Gottes Hanuman, dem der Tempel geweiht ist. An den Tempel schließt sich eine kleine Gartenanlage an, die wie alles andere ebenfalls von Rhesusaffen bevölkert ist. Jans Karriere als Held des Alltags gipfelte hier oben in der Rettung zweier indischer Mädchen vor einem allzu aufdringlichen Affen, der es auf die bunten Schals der zwei abgesehen hatte.
Nach dem Abstieg wagten wir uns zwecks Bekämpfung des Hungers in ein kleines Restaurant namens Alfa direkt am Scandal Point, also mitten im Zentrum Shimlas. Die Pilzsuppe war überraschend gut - und sogar mit echten Pilzen!
Für den Nachmittag waren wir mit den beiden neuseeländischen Damen aus der Vormittagsgruppe verabredet, die sich uns für die Besichtigung der Chadwick-Wasserfälle anschließen wollten.
Leider versicherte uns das Taxiunternehmen, bei dem wir sowohl Fahrzeug als auch Chauffeur mieten wollten, dass die Wasserfälle im Moment kein Wasser führten. Also änderten wir unsere Pläne und ließen uns stattdessen zum Potter’s Hill fahren, der etwas außerhalb von Shimla liegt und von dem die Bewohner der Stadt früher den Ton für Töpferarbeiten gewonnen hatten. Heute ist der Potter’s Hill ein wunderschönes Gebiet zum Wandern und mit einem Camp, das Schulen und Firmen für Outdooraktivitäten mieten können (Klettergarten mit indischen Sicherheitsbestimmungen inklusive).
Zurück in Shimla hab ich mein Gepäck eingesammelt und wir haben uns zum Abendessen im Ashiana eingenistet - Essen zum Glück ausgezeichnet und Ambiente noch besser. Das Restaurant ist in einem runden Pavillon untergebracht, in dem alles aus Holz ist und man durch die hohen Fenster auf den Ridge (den zentralen Platz) bzw. hangabwärts auf das darunter liegende Shimla schauen kann. In unserem Fall war das ein ziemlich spektakulärer Blick, denn der Ridge war komplett in Nebel getaucht, durch den das diffuse Licht der Straßenlaternen schimmerte. Zusammen mit dem am unteren Fensterrand gerade noch sichtbaren schmiedeeisernen Zaun und den Silhouetten der Bäume hatte ich das Gefühl, in einem uralten Film zu stecken ;o)
Jan und Anne haben mich danach zum Bus gebracht, der mich über Nacht zurück nach Delhi bringen sollte. Fahrstil war as usual und um halb sechs Uhr morgens hatte mich der Alltag in Form eines uneinsichtigen Tuc-Tuc-Fahrers wieder, der 250 Rupien haben wollte für ein paar Kilometer Fahrt. Weil ich noch uneinsichtiger war als er blieb es bei 80 Rupien - danke und tschüs.
Müde wie ich war, hab ich die Vorlesung gestern Früh ausgelassen und stattdessen am Nachmittag angefangen, die Bilder des vergangenen Wochenendes zu bearbeiten. Leider ist dann aus unerfindlichen Gründen (ich werde dem Internetfuzzi heute noch mal einen Besuch abstatten) das Internet weg gewesen, daher kann ich euch erst heute Bericht erstatten.

Bis bald!


Hello everybody,

finally I have time to tell you about our trip to the mountains. On Sunday and Monday we entered the foothills of the Himalaya, travelling to the small city called Shimla. Even the bus ride itself was an adventure because of the driver’s idea of driving - he didn’t think much of applying the brakes timely. Due to that, we experienced the absence of gravity a few times and were thrown out of our seats for centimeters.
But we got a reward for the bumpy night in terms of a gorgeous sunrise in the mountains. In addition to that, we had yummy bread with Nutella on it on The Ridge in Shimla before we checked out our rooms at YMCA. Well, broken windows and common bath or not, we had a red lamp above our bed, dark red carpeted floor and dark red blankets after all ;o)
My day really started at Indian Coffee House where a waiter in a prince’s costume served me two coffees - unwillingly but still. That way he saved me from dozing off after that long night without much sleep. Anne and Jan joined me after the Mass at Christ Church to get their caffeine boost as well.
Strengthened, we left the Coffee House and tried the “Heritage Walk No 1” for a start, which was meant to lead us to certain historical buildings around Shimla. Admiring the third or fourth building, a garden on the other side of the street caught my eye. I could see it just because the gate (which was as tall as a man) was ajar. This attracted the attention of the man inside the garden fence and he invited us to have a closer look at the garden. He then explained to us that this was the garden of his boss, who emerged from the house just then, accompanied by his wife. They kindly invited us to tea and biscuits, but only after a tour through their very old and beautiful restored colonial house. The two daughters of the couple joined us afterwards and the family gave many tips to Anne and Jan who wanted to journey further into the north.
At the end of Heritage Walk was the Viceregal’s Lodge - or Harry Potter’s Castle ;o) we joined the short tour through the ground floor - I did not get a word of it - and learned once more that rules in India are more like guidelines. “Do not use the furniture” seems to mean something like “If your feet hurt, you may well use the old, precious chairs to have a rest”.
Thus far, our day was fine but then came - THE DINNER. Following the recommendation of the Lonely Planet we settled in the “Café Sol’”, looking forward to a delicious Mexican dinner, finalizing with “the best choice of cakes in Shimla”.
Well. What can I say. The Nachos I got as a starter were okay. What was not okay was the Guacamole. How much violence can you use on an avocado????? My Cottage Cheese Fajitas were very - Indian style. Hot, but nothing else. And then the cake came. On that point, my desperation erupted in laughter because nothing else would have helped. I’m lost of words thinking of the cake except for synthetic and extremely sugary. However, this was our fault because when we analyzed the recommendation of Lonely Planet we stumbled over the phrase “best choice of cakes in Shimla” and especially over the word “choice”. Well, this doesn’t mean at all that the cakes themselves are good. Well, you learn something new every day.
On Monday morning, the travelling group from next table on breakfast invited us to join them when hiking up to Jakhoo Temple. That had been our plan anyway and because it was more safely in a larger group (due to the monkeys) we agreed. Jan got the wooden stick to guard us and we were off. At the foot of the hill there was a sign telling us we would be “super fit” if would take us 30 minutes or less to climb up. If it would take us 30 to 45 minutes our fitness would be “mediocre” and if we would need more than 45 minutes, our fitness would be dreadful - it took us 35 minutes, including a short break ;o)
Up on the top a moderately interesting temple awaited us with a far more spectacular statue of God Hanuman who is worshipped in the temple. Beside the building was a small garden area where (as everywhere else up there) loads of rhesus monkeys live. Jan’s career as a civil hero got a boost up there when he hastened to rescue two Indian girls whose scarves were attacked by a greedy monkey.
After the descent we sat into a small restaurant called “Alfa” at Scandal Point, that is to say in the center of Shimla, to fight our hunger. The Cream Of Mushroom was surprisingly delicious - and there were real mushrooms in it!
We had agreed to meet the two ladies from New Zealand (who were at Jakhoo Temple with us) to visit the Chadwick Waterfalls in the afternoon. Unfortunately, the taxi company where we wanted to rent a cab with driver, informed us that there would be almost no water on the waterfalls. Thus, we changed plans and had the chauffeur drive us to Potter’s Hill. This is a place a bit outside of Shimla where the inhabitants used to collect the clay for their pottery. Nowadays, Potter’s Hill is a marvelous area for hiking and also, there is a camp that can be rented by schools or companies for outdoor activities (crag with Indian security regulations included).
Back in Shimla, I collected my luggage and we headed off to Ashiana’s for dinner - luckily, food was excellent and the ambience even better. The restaurant is located in a circular pavilion, where all the furniture, floor, walls and ceiling is wooden. Through the high windows, you can see The Ridge or downwards on the city. When we were there, the view was quite spectacular because The Ridge was all foggy, what with the street lantern’s diffuse light gave the impression to sit in a very old film. Even reinforcing this impression was the part of wrought-iron fence just visible through the window and the silhouettes of the tree in the night.
After dinner, Jan and Anne accompanied me to the bus stop where I was supposed to drive back to Delhi overnight. Driving style was as usual and at half past five in the morning, daily routine was back in form of an unreasonable Tuc-Tuc-Driver who asked for 250 rupees for a few kilometer’s drive. I, being even more unreasonable, offered 80 rupees - and won in the end.
Being so tired, I skipped college the following morning and started selecting and editing the photos of the weekend in the afternoon. Unfortunately, my internet stopped working in the evening, so I was able to report to you only now.

See you!

Ashiana

Aussicht von Shimla

Bantony Castle - ehemaliges Polizeihauptquartier

Old Style Letterbox ;o)

Christ Church - zweitälteste Kirche Nordindiens

Garten in Shimla

Garten in Shimla

Rhesusaffe im Jakhoo Tempel

33 Meter hohe Statue des Gottes Hanuman im Jakhoo Tempel

Die Blumen müssen geschützt werden...

...denn die Affen sind ziemlich intelligent...

...und geschäftstüchtig. Schuh gegen Keks lautet das Motto

Kunst auf dem LKW ;o)

...und am Obststand.

Shimla's Plastikblumenbasar

Post Office

Potter's Hill

Potter's Hill

Potter's Hill

Hanuman-Languren am Potter's Hill

Shimla's Rathaus aus der Zeit der britischen Kolonialherrschaft

noch ein Affe

Blick auf Shimla bei Sonnenuntergang

Sonnenaufgang im Himalaya

immer noch Sonnenaufgang

Kuh im Bushäuschen

Viceregal's Lodge

Tischchen in der Viceregal's Lodge

Garten der Viceregal's Lodge

Viceregal's Lodge

Viceregal's Lodge

Gartenanlage der Viceregal's Lodge

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Rumpelstilzchen sucht Passierschein A38



Hallo zusammen,

obwohl es ziemlich viel zu erzählen gibt, hat mich in letzter Zeit die Motivation verlassen, zu schreiben. Aber jetzt erst mal der Reihe nach:

Am Samstag haben Jan, Anne und ich uns den Akshardamtempel angeschaut. Das ist ein ziemlich großer Tempelkomplex etwas außerhalb von Delhi und wurde von der hinduistischen Swaminarayan-Sekte im Jahr 2005 erbaut. Leider durfte man keine Fotos machen, darum hab ich ein paar gegoogelt und unten angefügt.
Beim Eintritt ins „Disneyschloss“ hat man das Gefühl, sich in einem Hochsicherheitstrakt zu befinden. Überall wird man zwischen Mauern mit Stacheldrahtbewehrung geschleust, vorbei an Sicherheitspersonal und ungefähr hundertmal wird man durchsucht und abgetastet. Alles außer den Geldbeutel (weil man soll ja Souvenirs kaufen) muss abgegeben werden, bevor man das Gelände betritt. Und die ganz Schlauen, die mit kurzen Shorts reinwollen, kriegen ein knalloranges Tuch, das sie sich um die Hüften binden müssen (so gesehen bei zwei Briten). Man könnte sich auch eine Ganzkörperburka ausleihen, wenn man das möchte.
Wenn man es dann endlich reingeschafft hat, kann man die wirklich schön angelegten Gartenanlagen, einen überdachten Rundgang und den Haupttempel selbst bewundern. Weil das Ganze aus rosafarbenem Sandstein erbaut wurde und alle Gebäude, Tore, Wände und Decken auf jedem Quadratzentimeter mit reichen Schnitzereien verziert sind, tut man sich schwer, an ein religiöses Gebäude anstelle eines Märchenschlosses zu denken.
In einem der Gebäude kann man auch einen Film über das Leben des Sektengründers Bhagwan Swaminarayan anschauen (für Nicht-Hindi-Sprecher mit Kopfhörer) und man kann sich dasselbe auch in einer Animationsshow reinziehen. Dabei geht man von einem Raum zum nächsten, und in jedem wird mit animierten Figuren (die übrigens tatsächlich aufwändig und detailreich gestaltet sind) eine andere Szene aus Swaminarayans Leben dargestellt. Außerdem kann man sich auf eine Bootsfahrt begeben, die an die „Piraten von Batavia“ im Europapark erinnert und auf der man erfährt, dass die Inder alle wichtigen Erfindungen und Entdeckungen der Welt gemacht haben (und immer mindestens 2.000 Jahre vor allen anderen).
Am Abend haben wir uns dann die Light & Sound-Show gegeben, die wirklich sehr spektakulär war und schön anzusehen. Besonders bewundert habe ich die wirklich punktgenaue Abstimmung von Musik, Licht und den bis zu 20 Meter hohen Wasserfontänen.
Auf dieser Show waren geschätzte 2.000 Menschen und als uns dann aufgegangen ist, dass die ja nach Ende der Show alle auch wieder zu den wenigen Schaltern hin mussten, wo man die Taschen abholen konnte, ist uns ein bisschen anders geworden. Überraschenderweise ging es aber dann doch ziemlich flott, weil viele der Besucher wohl offensichtlich nichts abgegeben hatten oder noch in Gruppen herumstanden und nicht alle gleich zu den Schaltern stürmten.

Nachdem wir ja den ganzen Tag in der Tempelanlage herumgewandert sind, hatten wir riesigen Hunger und beschlossen, einen weiteren Lonely-Planet-Tipp auszuprobieren und das Lodi Garden Restaurant zu besuchen. Eine weise Entscheidung. Mann, ist das ein super-duper-tolles Restaurant!!! Wir gingen durch das relativ unscheinbare Schild hinein in den Garten - und mir fiel die Kinnlade runter. Ein gepflasterter Weg schlängelte sich vorbei an mit Sträuchern und Bäumen bepflanzten Inseln, zwischen denen auf festgestampftem Kies die Tische für zwei bis sechs Personen standen. An den Rändern des Gartens, direkt an der umgebenden Hecke befanden sich Lounges für zwei bis vier Personen, Sitzgelegenheiten mit dicken Polstern und Vorhängen rundherum, die für Privatsphäre sorgen und niedrigen Tischchen davor für die Getränke. Die Beleuchtung bestand aus Rattanlampen, welche in den Bäumen hingen und leuchtenden Steinen in den Pflanzeninseln - ein wunderbar weiches und gedämpftes Licht!
Sofort eilte ein Kellner herbei und führte uns an einen Tisch. Auf der Speisekarte fanden sich libanesische, indische und italienische Gerichte, es gab superguten Wein und noch bessere Cocktails. Die Kellner waren wirklich eines europäischen Sternerestaurants würdig - das hab ich in Indien noch nicht erlebt bisher!
Der Abend war also ein voller Erfolg und die Tausende von Rupien wert, die wir da liegengelassen haben ;o)

Am Sonntag stand dann Shopping am Programm - wir haben zehn Stunden in der Saket City Mall verbracht und wirklich fast jeden einzelnen Laden besucht. Um halb zwölf abends waren wir dann daheim und ich bin todmüde ins Bett gefallen.

Nachdem wir ja am Wochenende einen Ausflug nach Shimla geplant haben und wir aus irgendeinem Grund keine Zugtickets im Internet buchen konnten, machten wir uns am Dienstag nach dem Unterricht auf zum Tourist Bureau an der New Delhi Railway Station, um die Tickets halt vor Ort zu kaufen. Gesagt, getan, wir kamen in der riesigen Halle an und durften erst mal einen Token ziehen mit einer Nummer drauf, die dann aufgerufen wird. Weil wir die schöne Zahl 374 gezogen hatten und gerade mal die Nummern rund um 220 oder so dranwaren, stellten wir uns auf eine längere Wartezeit ein. Wir erwischten nach kurzer Zeit sogar einen Sitzplatz. Nach etwa einer halben Stunde kamen wir drauf, dass wir ja möglicherweise unsere Reisepässe für die Buchung benötigten - und siehe da - wir hatten sie nicht dabei! Nach kurzer Diskussion einigten wir uns darauf, dass Jan „schnell“ zur Wohnung fährt und unsere Pässe mitbringt - es waren ja noch immer ca. 120 Nummern vor uns.
Während der Wartezeit auf Jan fiel uns ein älterer Herr auf, der ziemlich hilflos herumstand, europäisch aussah und total überfordert wirkte. Wir versuchten, ihm zu erklären wie das hier funktioniert und es stellte sich heraus, dass er Spanier war, kaum Englisch konnte, seit sechs Uhr früh in Delhi war und schon zu vier verschiedenen illegalen Touristenbüros gelockt worden war. Außerdem hatte ihm ein Tuc-Tuc-Fahrer erzählt, dass Paharganj, das Backpackerviertel, zu dem er wollte, abgesperrt sei - natürlich um den armen Kerl zu einem Hotel zu bringen, wo er (der Tuc-Tuc-Fahrer) Provision kriegt.
Kurz, nachdem Jan wieder da war, wurde dann unsere Nummer aufgerufen (nach zweieinhalb Stunden Wartezeit) und wir konnten zu dem Herrn am Ticketcounter. Er war dann auch sehr bemüht, uns Züge herauszusuchen (leider waren die meisten schon ausgebucht) und zu helfen - bis zu dem Zeitpunkt, als er auf die Idee kam, sich unsere Visa anzusehen. Oh, leider könne er uns nicht helfen, er darf uns keine Tickets verkaufen, weil das hier nur für Touristen sei - und das sind wir leider nicht, weil wir ja alle Studentenvisa haben. Die Frage (nach mehrmaligen Versuchen von mir ziemlich laut und verärgert gestellt), wo wir denn Tickets kaufen könnten, beantwortete er uns nicht. Er schickte uns nur zum Infoschalter mit der Aussage, wenn der Kerl da sagen würde, es sei okay, könne er uns die Tickets verkaufen. Sonst nicht. Also hin zum Infoschalter, wo uns der Typ eiskalt erklärte, dass wir über zwei Stunden umsonst gewartet haben und dass es alles unsere Schuld sei, weil das würde ja da stehen (deutete auf ein Schild neben der Tür). Das war das erste Mal, dass ich geschrien und laut geflucht hab und mir der Dampf aus den Ohren kam. Immerhin, er sagte uns, wir müssten runtergehen, raus und dann links.
Unten, draußen und dann links war der Schalter für Inder (bzw. viele Schalter). Rauchend erklärte ich, dass mir die Schlange jetzt wurscht sei und ich zuerst fragen würde, ob ich an dem Schalter Karten kriege BEVOR ich mich anstelle. Das tat ich dann auch und nach längerem Gefuchtel und Gebrülle (es war echt sehr laut da) kriegte ich drei Zettel ausgehändigt, die ich ausfüllen musste.
Jan und Anne waren mittlerweile beim Enquiry-Schalter, wo der Herr ihnen erklärte, sie sollen doch mal zur Rückseite von dem Schalter gehen und ihn da treffen. Er führte uns dann wieder in den ersten Stock in ein Kabuff, wo wir ihm das Problem erklärten. Ah ja, wir müssten zum IRCA-Gebäude zweihundert Meter die Straße runter gehen.
Wutschnaubend setzten wir uns in Bewegung und leider kamen mir ein paar Rikschafahrer in den Weg, die mich nervten mit ihrem „Rikscha? Rikscha?“-Gefrage. Einen hab ich angeschrien, zwei angefaucht. Dann war ich ein bisschen beruhigt. Aber nur kurz.
Das Gebäude haben wir gefunden, dann mussten wir uns wieder anstellen - indische Art, alle drängeln sich vor. Nachdem wir endlich dran waren, wollte uns der Kerl hinter der Glasscheibe erst zum Tourist Office zurückschicken, was wir aber vehement (und wieder ziemlich laut) ablehnten. Dann hat er sich auch wirklich sehr bemüht, aber leider waren alle Züge ausgebucht. Offensichtlich haben wir für die hinter uns stehenden Männer zu lang gebraucht, weil sie sich zu beschweren anfingen und einer mich mehrfach schubste und anfasste. Ich hab mich gewehrt, indem ich den auch noch angebrüllt hab und, als das nicht lange half, mit meinen Bergschuhen auf seine Flip-Flops (versehentlich) getreten. Beim zweiten Mal Schubsen hat er dann einen ziemlich lauten Fluch abbekommen, aber da waren wir eh schon fertig und am Gehen (das klingt jetzt ziemlich wild, aber gegen schubsende Kerle muss man in Indien gleich laut werden, sonst wird’s nur schlimmer und eine höfliche Bitte um Abstand hilft in diesem Land leider nicht).

Nach fünf Stunden Warten und Weitergeschicktwerden hatten wir also immer noch keine Zugkarten. Wir beschlossen, es nochmal übers Internet zu probieren (mittlerweile haben wir herausgefunden, dass das nicht geht, weil wir keine indischen Kreditkarten haben) und dazwischen essen zu gehen. So saßen wir dann in Indien bei einem Chinesen - und hörten drei Tische weiter breitesten Wiener Dialekt. Das und die gut gemixten Cocktails hoben unsere Laune dann ein bisschen an so dass wir beschlossen, nach dem Essen noch unseren Elektronik-Händler unseres Vertrauens um die Ecke zu gehen.
Nachdem wir unsere Einkäufe getätigt hatten, habe ich den netten Verkäufer gefragt, was denn ein Tuc-Tuc bis nachhause kosten würde - ich hatte nämlich keine Lust auf Metro. Er meinte dann, so 70 bis 80 Rupien - aber wir sollten dem Fahrer sagen, wir wollen „by meter“ (mit Taxameter) fahren und ihm gleich mit der Polizei drohen, falls er sich weigert.

Also rausmarschiert, erstbesten Tuc-Tuc-Fahrer geschnappt, reingesetzt und ihn aufgefordert, den Taxameter einzuschalten. Das tun die Fahrer grundsätzlich nicht gern, weil sie ja gerade bei Touristen hoffen, mit weit überhöhten Preisen durchzukommen. Deshalb wird dann oft behauptet, das Ding sei kaputt. So auch hier, allerdings haben wir gesehen, dass er ganz ist und vehement darauf bestanden. Das artete dann in eine lautere Diskussion aus, die erst beendet war, als Anne ihr Handy gezückt hatte und demonstrativ die „100“ gewählt hatte. Als der Fahrer das gesehen hat, ging der Taxameter dann doch, was für ein Wunder.

Zuhause haben wir uns dann noch mit einem Bier bzw. für mich Breezer auf die Terrasse gesetzt und endlich mal durchgeatmet.

So, am Freitag haben wir unsere nächste Prüfung, bis dahin haben wir frei - ich werd‘ euch auf dem Laufenden halten!

Bis dann!

Akshardamtempel - die 108 wasserspeienden Ochsen und Schwäne aus Bronze symbolisieren die 108 Namen Gottes

Akshardamtempel - Hauptgebäude

Akshardamtempel bei Nacht

Light & Sound-Show im Akshardamtempel
Säule im Akshardam-Tempelkomplex
Lodi Garden Restaurant

Lodi Garden Restaurant

Akshardamtempel - das Hauptgebäude steht auf einem Sockel, in dem 147 Elefanten geschnitzt sind, von denen jeder anders aussieht